TV goes social – oder doch nicht?

Im Moment sind die TV-Sender sehr zufrieden mit sich. Sie haben es geschafft, ihr klassisches Medium (das mittlerweile gar nicht mehr so cool und wichtig ist) durch eine Schnittstelle mit der neuen und angesagten Social Media-Welt zu verbinden. Der gewünschte Effekt: TV soll nicht nebenbei laufen, während der Zuschauer gleichzeitig online ist und den digitalen Freuden den größten Teil seiner Aufmerksamkeit schenkt. Die Verhältnisse sollen sich vielmehr umkehren. TV wird konsumiert und nebenbei chattet man mit den Freunden über die Sendung.

Das sieht man zuzeit bei The Voice of Germany “ oder jüngst bei der Galileo Social Network Woche. Während die Sendungen laufen, werden Abstimmung, die online stattfindet, in Echtzeit eingeblendet. Das ganze nennt sich dann bei Pro Sieben: ProSieben Connect. Und das wiederum nennt sich Social TV.

Auch RTL2 schöpft neuen Mut und setzt heute mit dem „Dirty-Dancing-Doppel-Date“ auf Social TV. Während der Mädchenabend-Klassiker auf RTL2 läuft, kann die Community von Berlin Tag & Nacht auf Facebook und auf der RTL2 Website diskutieren, abstimmen und sogar den Bewohnern von Berlin Tag & Nacht beim Dirty Dancing-Schauen zusehen. Darauf hat Fernsehdeutschland gewartet.

Das Dirty-Dancing-Doppel-Date

Das Dirty-Dancing-Doppel-Date

Laut Wikipedia ist Social TV das Schlagwort für Technologien, die versuchen, Fernsehen mit Interaktivität in sozialen Netzwerken zu verbinden. Das Dresdner Unternehmen Couchfunk nimmt sich dem Social TV senderübergreifend an. Per Couchfunk App  können sich Zuschauer mit der Couchfunk-Community austauschen und Sendungen gemeinsam genießen.

Das alles nutzt aber noch lange nicht die Möglichkeiten, die sich mit Social TV bieten. Die momentane Entwicklung presst ein neues Medium in ein altes Schema. Dass Ergebnisse einer Umfrage in eine laufende Sendung eingeblendet werden, ist nicht neu. Dass User sich online während eine Sendung läuft mit anderen Usern austauschen, ist keine innovative Form der TV-Konsums.

Was wäre denn eine TV-Innovation?

Ich möchte nicht mehr, dass mir vorgegeben wird, was ich sehen will und wann ich es sehen muss. Ich möchte Themen beeinflussen können (Worüber wollt ihr eine Dokumentation sehen?), Live-Shows mitbestimmen dürfen (Wozu braucht man noch eine Jury bei Casting-Shows?), mit Promis interagieren und in Diskussionen eingreifen können (Polit-Talks mit Community-Integration während und nach der Sendung), Handlungen von Soaps und Serien lenken können (Die Macher der US-Serie Heroes haben ihre Fans gefragt, welche Richtung die Handlung einschlagen soll), und zusätzliche Informationen aufrufen können (Was trägt der Moderator? Wo kann ich direkt online bestellen? Wo finde ich weitere Informationen zu einem behandelten Thema?). TV muss interaktiv werden. Davon sind wir noch weit entfernt.

Aber ich will nicht nur meckern. Social TV hat erst 2012 in Deutschland Einzug gehalten. Überall gibt es einen Anfang. Und bei jedem Anfang muss Lehrgeld bezahlt werden. Es ist schön, dass ein kleiner Schritt getan ist.


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