Schlagzeile sorgt für Traffic

Heut morgen bin ich auf einen Artikel in der Handelszeitung.ch aufmerksam geworden. Überschrift: „Facebook offenbart seine tiefsten Geheimnisse“. Ich gebe zu, der Titel hat mich neugierig gemacht. Zu lesen waren dann Aussagen wie „verrät seine Geheimformel“ und „in Zukunft regelmässig über den spezifischen [sic] Algorithmus zu bloggen gedenke“.

Der Artikel beruht lediglich auf die Ankündigung seitens Facebook vom vergangenen Dienstag abend, künftig transparenter Neuigkeiten zum Newsfeed Algorithmus (Edgerank) zu kommunizieren. Die Hauptkomponenten, woraus sich der Edgerank zusammensetzt, waren bereits vorher bekannt. Und die versprochene transparentere Kommunikation bedeutet lediglich, dass Facebook informieren wird, wenn Änderungen am Algorithmus vorgenomnmen werden. So am Dienstag, als Story Bumping und Last Actor vorgestellt wurden – beides hat einen Einfluss auf den Algorithmus. Wie genau und in welcher Höhe bleibt nach wie vor geheim.

Ich fühlte mich veräppelt. Die große Schlagzeile entpuppte sich als lahme Ente alter Hut. Ich hab dann unter dem Artikel einen kurzen Leserkommentar geschrieben und kritisiert, dass der Titel sehr reißerisch klingt und Facebook natürlich NICHT seinen Algorithmus offenlegen wird. Ein paar Minuten war der Kommentar zu sehen, dann plötzlich verschwunden.

Zum zweiten Mal fühlte ich mich veräppelt. Auf Nachfrage bei Twitter bekam ich die Antwort, dass mein Kommentar nicht zu finden sein (auch nicht bei den gelöschten Kommentaren). Ob ich noch einmal posten möchte.


Ich rief noch einmal die Artikelseite auf und sah plötzlich eine andere, entschärfte Überschrift. Nun heißt es dort: „Facebook offenbart sein Geheimnis – ein wenig“. Der alte Link führt zum neuen Artikel. Die Handelszeitung hat sich die Kritik zu Herzen genommen und die Schlagzeile geändert – wenn auch sehr intransparent.

Was bleibt bei mir hängen, wenn ich an diese Zeitung denke? Ich kannte sie vorher nicht, das war mein erster Kontakt. Ich rechne es der Online-Redaktion hoch an, dass sie die Kritik ernst genommen haben und darauf eingegangen sind. Pluspunkt! Dass mein Kommentar verschwunden ist, find ich hingegen alles andere als glücklich. Vielleicht gab es ja tatsächlich technische Probleme. Dann ist es aber ein großer Zufall, dass die Überschrift entschärft wurde, obwohl mein Kommentar nie bei der Redaktion angekommen ist. Transparente Kommunikation wäre hier angebrachter gewesen, dann hätte die Zeitung ein positives Image bei mir hinterlassen. So bleibe ich mit einem etwas flauen Gefühl im Bauch zurück.

Links die ursprüngliche Schlagzeile, rechts die Aktuelle.

Links die ursprüngliche Schlagzeile, rechts die Aktuelle.



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