Brauchen wir einen Facebook-Führerschein?

Am Wochenende hatte ich eine interessante Diskussion mit einem Freund, der „Social-Media-Verweigerer“ ist. Er ist 30 Jahre alt und Papa von zwei süßen Töchtern (2,5 Jahre und 2 Monate). Das Internet spielt für ihn per se eine untergeordnete Rolle und von sozialen Netzwerken hält er sich fern. Ich habe ihn gefragt, warum er soziale Medien und speziell Facebook ablehnt. Er hat mir aus dem Stehgreif 3 Beispiele genannt, in denen jemand wegen Facebook ermordet wurde oder sich selbst das Leben genommen hat. Es ging um Mobbing und Stalking bis zum schlimmen Ende eines Mordes oder Selbstmordes. Die Angst davor, dass alles öffentlich ist und Bilder und ähnliches gegen jemanden verwendet werden, um dieser Person zu schaden, ist der Grund für die ablehnende Haltung.

Ich habe meine Ansicht erläutert. Solche Fälle sind schlimm und traurig. Aber diese Schicksale gibt es in allen Bereichen, offline wie online, und das wird auch nie aufhören. Gleichzeitig muss man den Umgang mit allen neuen Dingen erst lernen. Man muss wissen, wie man die Privatsphäreeinstellungen einrichten und ändern kann. Man muss sich vor dem Einstellen von Inhalten überlegen, welchem Benutzerkreis man die Informationen zugänglich machen will und mit welchen Gefahren und Konsequenzen. Das alles muss sich jeder Nutzer entweder selbst beibringen oder es muss ihm beigebracht werden.

Mein Freund sah die Schulen in der Pflicht. Der Umgang mit dem Internet müsse dort behandelt werden, gleichzeitig kennen sich viele Lehrer selbst nicht aus oder stehen den Entwickelungen selbst kritisch gegenüber. Mit dem Abschieben der Verantwortung auf Schulen macht er es sich in meinen Augen sehr einfach. Unsere Kinder wachsen bereits mit dem Internet und sozialen Medien auf. Für sie gehört es von Anfang an dazu und ist nichts Neues. Den Zugang und damit den Umgang vorzuenthalten aufgrund von eigenem Unvermögen halte ich für sehr gefährlich.

Facebook

Ich bin überzeugt, dass die heranwachsenden Generationen viel verantwortungsvoller mit ihrer digitalen Identität umgehen werden, als wir es zurzeit tun. Wir probieren noch aus und keiner kann mit Sicherheit sagen, wohin die Reise geht und wie viel Öffentlichkeit wir vertragen können. Das führt uns zum eigentlichen Problem.
Wie kann sich jemand das Know-how für soziale Netzwerke aneignen, der sich online unsicher fühlt und sich nicht traut, einzusteigen. Brauchen wir einen „Facebook-Führerschein“?

Wenn man ein wenig nach dem Thema googelt, findet man viele Seiten, die sich mit dieser Fragestellung beschäftigen. Die Notwendigkeit scheint also nicht aus der Luft gegriffen zu sein. Einige Institutionen bieten tatsächlich schon Trainingsseminare und Schulungen für ein verantwortungsvolles Handeln im Social Web an. Wer nach „Social Media Führerschein“ googelt, wird fündig.

Wünschenswert wäre es natürlich, wenn die Nutzung so einfach und selbsterklärend wäre, dass eine extra Schulung nicht notwendig ist. Das bleibt aber sicher Wunschdenken, weil Netzwerke wie Facebook oder Google+ zum einen von öffentlich zugänglichen Inhalten profitieren und zum anderen an eine besser Welt aufgrund einer vollständigen Öffentlichkeit glauben.

Auch ich glaube, dass uns mehr Öffentlichkeit und weniger Datenschutzdiskussionen gut tun würden und hoffe, dass der Umgang mit soziale Medien schon bald so selbstverständlich sein wird, wie der verantwortungsvolle Umgang mit dem Fernsehen. Denn diese Diskussion war vor 15 Jahren Thema bei meinen Eltern.


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